ZEITSTRAHL
Gustav Klimt wird am 14. Juli 1862 in Baumgarten, damals noch ein Vorort von Wien, als Sohn des Ehepaars Anna und Ernst Klimt geboren.
Während der Schul- und Ausbildungszeit zieht die Familie nicht weniger als sechs Mal um. In der Wiener Kunstgewerbeschule, heute Universität für angewandte Kunst, in welcher auch Klimts Brüder Ernst (1864-1892) und Georg (1867 – 1931) studieren, lernt er Franz Matsch (1861 – 1942) kennen.
Für den opulenten Festumzug aus Anlass der Silbernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth wird Klimt als Mitarbeiter herangezogen.
Gustav Klimt verfügt erstmals über ein eigenes Atelier. Es entstehen Landschaftsstudien (Stiller Weiher, Waldboden, Waldinneres) und zahlreiche Portraits, meist im Auftrag und Miniaturformat.
Gründung der „Künstler-Compagnie“ mit Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch. Die Künstlervereinigung bezieht ein neues Atelier in Wien und arbeitet gemeinsam an verschiedenen Aufträgen bis 1892.
Die junge „Künstler-Compagnie“ erhält prestigeträchtige Dekorationsarbeiten für verschiedene Theaterneubauten in unterschiedlichen Teilen der weiten Donaumonarchie (Rijeka, Karlovy Vary und Bukarest). In Wien gestalten sie Teile der kaiserlichen Hermesvilla und vor allem die Decken der Treppenhäuser des k. k. Hofburgtheaters in Wien. Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes.
Für das Bild „Der Zuschauerraum des alten Burgtheaters“ erhält Gustav Klimt den Kaiserpreis (400 Dukaten, heute ca. 20.000 Euro). Klimt bezieht ein eigenes Atelier in Wien-Josefstadt, wo in den nächsten fünfzehn Jahren seine wichtigsten Gemälde entstehen. Die Familie Klimt macht eine erste Bekanntschaft mit der Familie Flöge.
Fresken für das Treppenhaus im Wiener Kunsthistorischen Museum. Aufnahme in die Genossenschaft bildender Künstler Wiens und gesellschaftlicher Aufstieg. Ernst Klimt heiratet Helene Flöge (1871 – 1936). Erste Kontakte zu Emilie Flöge (1874 – 1952).
Tod des Vaters im Juli sowie des Bruders Ernst im Dezember. Klimt übernimmt die Vormundschaft für seine Nichte Helene „Lentschi“ (1892 – 1980). Auflösung der "Künstler-Compagnie". Künstlerische Krise und Neuorientierung.
Gustav Klimt erhält die Silbermedaille der Künstlerhaus Ausstellung für das Bild „Zuschauerraum des Theaters im Schloss Esterházy“ in Totis. Klimt wird als Professor für die Wiener Kunstakademie vorgeschlagen, eine Berufung aber wird verhindert. Der Lehrstuhl geht an den polnischen Künstler Kasimir Pochwalski (1855 – 1940).
Auftrag für die „Fakultätsbilder“ für den Grossen Festsaal der Universität Wien. Klimt entwirft die allegorischen Darstellungen „Philosophie“, „Medizin“ und „Jurisprudenz“, Matsch hingegen zeichnet sich für „Theologie“ und das grosse Mittelbild verantwortlich. Klimt beendet seine Gemälde erst im Jahre 1907 - es soll sein letzter Auftrag aus öffentlicher Hand sein und erregt grosses Aufsehen. Umzug mit seiner Mutter und den beiden unverheirateten Schwestern.
Gustav Klimt erhält den Auftrag zur Gestaltung des Musikzimmers im Palais Dumba am Wiener Parkring mit den Supraportenbildern „Musik“ und „Schubert am Klavier“. Erste bekannte Korrespondenz mit Emilie Flöge vom 16. Februar und gemeinsamer Sommerurlaub der Familie Flöge mit Klimt in Langenwang in der Steiermark. Gustav Klimt wird Mitglied im Kuratorium der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst.
Gustav Klimt ist Gründungsmitglied der Wiener Secession und deren erster Präsident bis 1899. Gleichzeitig erfolgt der Austritt aus der Genossenschaft bildender Künstler Wiens. Den Sommer verbringt er mit Emilie Flöge und ihren Schwestern in Fieberbrunn in Tirol. Für das künftige Gebäude der Secession entwirft Gustav Klimt erste Skizzen. Am 18. November erfolgt die erste bekannte Korrespondenz mit Modell und Geliebte Marie „Mizzi“ Zimmermann (1879 – 1975).
Klimt wird in der Sitzung vom 6. September zum korrespondierenden Mitglied der Münchener Secession ernannt. Sommerfrische in St. Agatha im Salzkammergut, erste Landschaftsgemälde im Hochformat entstehen. Eröffnung der zweiten Secessionsausstellung (12. November bis 28. Dezember) im neuen, von Joseph Maria Olbrich (1867 – 1908), entworfenen Secessionsgebäude in der Nähe des Naschmarkts. Ab nun Porträtist der gehobenen Wiener Gesellschaft.
Sommerfrische im Salzburger Golling. Klimts Landschaftsgemälde haben ab nun nur mehr quadratisches Format. Erste bekannte Korrespondenz mit Maria Ucicka (1880 – 1928) vom 12. Juni. Im Juli erblickt Gustav Ucicky (1899 – 1961), Sohn von Gustav Klimt und Maria Ucicka, das Licht der Welt. Im September wird Gustav Zimmermann (1899 – 1976), Sohn von Gustav Klimt und Marie Zimmermann, geboren.
Ausstellung des Fakultätsbildes „Philosophie“ in der Secession. Während das Gemälde in Wien für einen Skandal sorgt, erringt es auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille. Erstmals Sommerfrische am Attersee im Kreise der Familie Flöge. Ab diesem Zeitpunkt ist der Attersee bis 1916 sein regelmässiges Sommerdomizil, bis 1907 verweilt er dort im Gästehaus des Bräuhofs in Litzlberg.
Erneut Kritik und Empörung über die „Fakultätsbilder“. Klimts Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste wird abermals abgelehnt.
Präsentation des 34 Meter langen „Beethovenfrieses“ anlässlich der 14. Ausstellung in der Wiener Secession. Otto, der zweite illegitime Sohn von Gustav Klimt und Marie Zimmermann, wird geboren. Er stirbt jedoch noch im selben Jahr.
Auftrag für den „Mosaikfries“ im Palais Stoclet in Brüssel. Das 1910/11 fertiggestellte Palais gilt als das Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Emilie Flöge eröffnet den Modesalon „Schwestern Flöge“ im Haus „Casa Piccola“ in Wien.
Nach zahllosen Skandalen und öffentlichen Erregungen rund um seine Fakultätsbilder beschliesst Klimt, das Vorschusshonorar an den Staat zurück zu zahlen und die Bilder zu behalten.
Der Garten des Mayr-Hofes ist Schauplatz für Klimts Fotoserie von Emilie Flöge. Ausgewählte Aufnahmen werden 1906/07 in der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ reproduziert. Gustav Klimt wird Präsident des neu gegründeten Österreichischen Künstlerbundes.
Klimt stellt fünfzehn, erotisch gewagte Zeichnungen zur Illustration der antiken „Hetärengespräche des Lukian“ in der deutschen Übersetzung von Franz Blei (1871 - 1942) zur Verfügung. Es entsteht das vielleicht schönste Buch des europäischen Jugendstils. Ausstellung der „Fakultätsbilder“ in Berlin.
Die Klimt-Gruppe veranstaltet die erste „Wiener Kunstschau“ auf dem Baugrund des späteren Wiener Konzerthauses. Der österreichische Staat erwirbt aus der Kunstschau Klimts goldenes Schlüsselwerk „Der Kuss”. Reisen nach Frankreich, Spanien und Tschechien. Ausstellungen in München, Berlin, Wien und Prag. Teilnahme an der 9. Biennale in Venedig.
1. Preis für das Gemälde „Tod und Leben“ an der Internationalen Kunstschau in Rom. Auf Vermittlung von Felix Albrecht Harta (1884 – 1967) bezieht Klimt wenige Monate später sein letztes Atelier. Gustav (1911 – 1989), das erste gemeinsame Kind von Klimt und Consuela Camilla „Ella“ Huber (1896 – 1978), wird geboren. Mit dem Modell und der Geliebten hat Gustav Klimt letztlich drei gemeinsame Kinder.
Charlotte (gest. 1915), gemeinsame Tochter von Klimt und Consuela Camilla Huber, wird geboren. Klimt erfährt vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs während seiner Sommerfrische am Attersee. Anders als die junge Künstlergeneration wie Oskar Kokoschka und Egon Schiele wird Klimt nicht eingezogen. Tod von Klimts Mutter Anna im Februar 1915. Consuela Camilla Hubers zweiter Sohn mit Gustav Klimt, Wilhelm (gest. 1943), wird geboren. Klimt malt zumindest fünf Gemälde, die zum Teil unvollendet bleiben: Verschiedene Ansichten von „Unterach am Attersee“, „Gartenweg mit Hühnern“, „Gartenlandschaft mit Bergkuppe“ (Pfarrgarten), “Apfelbaum II“ und sein einziges Wiener Sujet, die „Schönbrunner Landschaft“. Im Juli 1917 verfasst Klimt das vermutlich Emilie Flöge gewidmete Gedicht "Die Wasserrose".
An den Folgen eines Schlaganfalls stirbt Gustav Klimt am 6. Februar. Drei Tage später Beerdigung auf dem Hietzinger Friedhof. Egon Schiele zeichnet den Verstorbenen noch am Totenbett und bemüht sich um die Übernahme seines letzten Ateliers in der Feldmühlgasse, verstirbt jedoch noch im selben Jahr an der Spanischen Grippe. Die Gemälde „Die Braut“ und „Dame mit Fächer“ verbleiben unvollendet auf der Staffelei.